ausführliche Chronologie

NOCH UNVOLLSTÄNDIG, WIRD WEITER BEARBEITET
(weiterführende Informationen, Hinweise und Kommentare gerne an Kontakt)

22.06.1968 Luftschutzhilfdienst, Wilhelmstraße
Etwa 200 Personen besetzen in der Wilhelmstraße die Büros des Luftschutzhilfdienstes, um dort ein autonomes Wilhelm-Reich-Institut zu betreiben, das abgekoppelt vom üblichen inneruniversitären Lernbetrieb durch die Studierenden selbst bestimmt psychologische Lehre und Forschung betreiben soll. Die Initiator*innen kommen aus dem überbelegten Psychologischen Institut und haben am Abend vorher bei einer Veranstaltung mit Franz Josef Degenhardt zur Besetzung mobilisiert. Nach drei Tagen werden sie durch 600 PolizistInnen geräumt, am 30.10.68 findet ein Gerichtsprozess gegen einige Besetzer*innen statt.
Quelle: TÜTE, Tagblatt

1972 Hirschgasse
TÜTE: „zeitweilige Besetzung der Räume eines Hauses in der Hirschgasse“

1972 Lamm
TÜTE: „Vorgänge um den Abriß des Lamm“

24.06.1972 Karlstraße 13, Epple-Haus
Am 17.04.1972 brennt das Jugendzentrum Schwabenhaus unter mysteriösen Umständen aus. Die Jugendlichen (v.a. junge Arbeiter*innen, Lehrlinge, Schüler*innen, nur wenige Studierende) fordern die Sanierung und bis zum Wiedereinzug eine Ausweichstätte. Als von Seiten der Stadtverwaltung nicht auf die Forderungen eingegangen wird, wird nach einer Demonstration der Gemeinderat gestürmt. Von einer kleinen Gruppe vorbereitet, wird schließlich am 24.06.1972 nach einem Konzert von „Ton, Steine, Scherben“ das leerstehende Haus in der Karlstraße 13 besetzt und nach Verhandlungen zum Jugendhaus unter Trägerschaft der Stadt umgewandelt. Seitdem durchlief es verschiedene Phasen von mehr und weniger starker Selbstverwaltung. Benannt wird das Haus nach Richard Epple, einem Jugendlichen, der im Zuge von Fahndungen nach der RAF von der Polizei erschossen wurde.
http://www.epplehaus.de
Materialien:
„Vision offene Jugendarbeit. Das Richard-Epple-Haus in Tübingen“ in: Sichtermann, Barbara & Sichtermann, Kai: „Das ist unser Haus. Eine Geschichte der Hausbesetzung“ (2017)

1972 Möbel Kost, Karlstraße
Forderung nach Vermietung an das Studentenwerk A.d.ö.R. zur Schaffung von Wohnraum für Studierende. Als bekannt wird, dass es sich um Gewerberäume handelt, wird Ersatzwohnraum für die Besetzer*innen gefordert. Die Besetzer*Innen werden von der Polizei überrascht und die Besetzung schnell wieder beendet….
Quelle: „Wohnalbträume“-Artikel (TÜTE?)

27.02.1977 Münzgasse 13
Etwa hundert Personen besetzen das Haus neben der Stiftskirche, nachdem es die Tübinger Polizei wenige Tage zuvor verlassen hatte und ein Rechtsstreit zwischen Universität und Studentenwerk über die Besitzverhältnisse schon seit längerer Zeit läuft. 1665 war das Gebäude als „Martinianum“ (Martinsstift) für gemeinschaftliches Wohnen von Studierenden gebaut worden, 1936 zogen Polizei und Gestapo ein. Die Besetzer*innen fordern angesichts von fehlendem Wohnraum für Studierende und der Einrichtung von Instituten und Büros in großen Häusern in der Innenstadt, dass die Münzgasse 13 Wohnhaus und Treffpunkt werden soll. Unter Verwaltung des Studentenwerks e.V. wird gemischtes Wohnen für Studierende und Nicht-Studierende umgesetzt, der „Blaue Salon“ wird Szene-Kneipe.

1.05.1977, Seelhausgasse 37
Ein wegen der geplanten Nordtangente zum Abriss vorgesehenes Haus wird nach dem Auszug der letzten Bewohner*innen kurzzeitig für einen Tag besetzt. Das Haus wird daraufhin nochmals vermietet, später jedoch abgerissen. Die Nordtangente wird durch einen Bürgerentscheid verhindert.
Quelle: TÜTE

25.11.1977, Clubhaus Wilhelmstraße
Im Zusammenhang der Proteste gegen die geplante Novellierung des Landeshochschulgesetzes und die Auflösung des ASTA beschließt eine studentische Vollversammlung das Clubhaus zu besetzen. Am 29.12. verlassen die Besetzer*innen das Clubhaus nach Androhung einer polizeilichen Räumung und Hausfriedensbruchanzeigen. Das neue Büro der Studentenschaft entsteht in der besetzten Münzgasse 13.
Quelle: TÜTE

28.11.1979, Ludwigstraße 15 (Lu15)
Etwa 50 Personen besetzen am Abend das seit über einem Jahr leerstehende Gebäude, das dem Bundesvermögensamt gehört und von der französischen Garnison genutzt wurde. Auf einem Konzert in der Mensa wird die Besetzung bekanntgegeben, über 600 Personen ziehen von dort in die Ludwigstraße. Die Haus-VV der Besetzer*innen fordert Wohngemeinschaften in Selbstverwaltung und „in dem Haus dürfen nicht nur Studenten wohnen“. Betont wird, dass an der Besetzung neben Studierenden „genauso aktiv Schüler, Lehrlinge und jugendliche Arbeiter“ beteiligt waren. Als Zwischenvermieter wird das Studentenwerk e.V. vorgeschlagen, bei einer Übernahme durch das Studentenwerk A.d.ö.R. befürchten die Besetzer*innen „dass die Selbstverwaltung uns sofort oder schrittweise im Laufe der Zeit (Salamitaktik!) genommen wird. Wir werden dann „verwaltet“ und finden uns, wenn das Studentenwerk A.d.ö.R. erstmal umgebaut hat, in einer Art Mini-Waldhäuser-Ost (keine Gemeinschaftsräume, keine eigenen Möbel, keine eigenen Entscheidungen mehr) wieder.“ In den Verhandlungen verzichten die französischen Streitkräfte schließlich auf ihre Nutzungsrechte für insgesamt 36 Wohnungen in verschiedenen Gebäuden. Das Studentenwerk e.V. wird zunächst aber nicht in die Verhandlungen einbezogen und – entgegen den Forderungen der Besetzter*innen, die für alle 36 Wohnungen Selbstverwaltung und als Zwischenvermieterin das Studentenwerk e.V. fordern – ihm nur die vier Wohnungen in der Ludwigstraße 15 zugesprochen. 1989 erwirbt das Studentenwerk A.d.ö.R. das Grundstück vom Bundesvermögensamt und möchte die Lu15 in ein normales Studierendenwohnheim umwandeln und den Garten bebauen. Die Besetzung des Gartens im September 1989 führt zu weiteren Verhandlungen in denen die Selbstverwaltung und das gemischte Wohnen gerettet werden können bis zum Kauf als selbstverwaltetes Wohnprojekt des Mietshäuser Syndikats 2009.
http://lu15.de/
Materialien:
– Karina Dipold & Paul Päsler: „Wir wollen es nicht bequem haben!“ Alternatives Wohnen in der LU15. in: Gesa Ingendahl & Wiebke Ratzeburg (Hg.): Protest! Stricken, Besetzen, Blockieren in den 1970/80er Jahren. Eine Interventionsausstellung im Stadtmuseum Tübingen, 2015

18.06.1980, Schellingstraße 6 (Schelling)
Etwa ein Dutzend Personen, die sich die „Tübinger Stadtmusikanten“ nennen und aus dem Umfeld des AK Schöner Wohnen der FSR-VV kommen, klettern am Abend über die Mauer der seit X Jahren leerstehenden Thiepvalkaserne und öffnen den Zugang in das Stabsgebäude. Eine Telefonkette wird ausgelöst und nach einem Konzert in der Mensa ziehen einige Hundert Personen parolenrufend in die Schellingstraße, wo eine Party gefeiert wird und viele im Haus übernachten. Gefordert werden kollektives Wohnen für Studierende, Auszubildende, SchülerInnen und Arbeitslose, aber nicht „mit Isolationszellen, die kein gemeinschaftliches Wohnen zulassen“. Verhindert werden soll, dass „das Stabsgebäude nach ‚bewährtem‘ Muster zu einem Studentenwohnheim umfunktioniert wird“, da dort dann „kein Platz für Lehrlinge und Jungarbeiter“ sei. Zudem wurde die Einrichtung eines autonomen Kultur- und Stadtteilzentrums im Mannschaftsgebäude bzw. den Hallen gefordert und die Einrichtung von Wohnraum nur für Frauen im Wachgebäude an der Hegelstraße. In den Verhandlungen kann schließlich nur das studentische Wohnen (unter Trägerschaft des ungeliebeten Studentenwerk A.d.ö.R.) sowie der Wohnraum für Frauen durchgesetzt werden. Nicht-Studierende erhalten zwar zunächst einen Gebäudeteil zugesprochen, den sie aber wegen des Fehlens jeglicher weiter Unterstützung unter Protest nach einem halben Jahr verlassen. Im Hof werden zwei Häuser in Leichtbauweise für Studierende dazugestellt, im Mannschaftsgebäude entsteht eine Asylbewerber- und später Aussiedlerunterkunft. Die Bewohner*innen des Studierendenwohnheims weiten über die Jahre die Selbstverwaltung Stück für Stück aus, bauen zusammen mit politischen Gruppen 1990 den Keller zum Infocafe um.  2004 werden das ehemalige Stabsgebäude und die beiden Leichtbauhäuser sowie das Grundstück nach dem Modell des Mietshäuser Syndikats gekauft und die Selbstverwaltung und Entprivatisierung dadurch schließlich auch formal gesichert.
http://www.schellingstrasse.de
Materialien:
– Archiv im Wohnprojekt Schellingstraße, Reader,
– Marc Amann & Ingo Riethmüller: Alternative Rüstungskonversion. Das Wohnprojekt Schellingstraße, in: Matthias Möller (Hg.): Still gestanden? Die Geschichte einer alten Kaserne, 2009
– Pia Lange: „Dass war ein offenes Experiment“. Alltag während der Besetzung der Thiepval-Kaserne. in: Gesa Ingendahl & Wiebke Ratzeburg (Hg.): Protest! Stricken, Besetzen, Blockieren in den 1970/80er Jahren. Eine Interventionsausstellung im Stadtmuseum Tübingen, 2015

Januar 1981, Sigwartstraße 17
erste polizeiliche Räumung in Tübingen, nach Räumung großer Sachschaden in der Innenstadt

20.01.1981, Deutsch-Amerikanisches Institut (DAI)
Anlässlich der beginnenden Präsidentschaft von Ronald Reagan wird das DAI symbolisch und für zeitlich begrenzte 48 Stunden von 30 Personen besetzt, die damit gegen die US-amerikanische Außenpolitik in El Salvador protestieren.

2.02.1981, Stiftskirche
Zu Beginn des 8. Hungerstreiks der Gefangenen aus der RAF am 2.2.81 beginnen fünf Personen einen Solidaritätshungerstreik in der Stiftskirche, um die Öffentlichkeit aufzurütteln. Nachdem die Kirchenvertretung eine Räumung durch die Polizei androht, verlassen sie nach sechs Stunden die Stiftskirche und brechen den Solistreik ab.

7.02.1981, Druckerei Göbel, Poststraße
Das seit 1977 nur noch teilweise benutzte Gebäude der Druckerei Göbel wird in der Nacht kurzzeitig besetzt und mit Transparenten behängt: „Die Diskussion ist vorbei“ und „Uns Pofhaus“. Die Poststraße wird mit Holzlatten, einer Schranke und einem Sofa blockiert, dabei kommt es zu Auseinandersetzungen mit Autofahrern. Als die Polizei eintrifft, verlassen die etwa 30 Besetzer*innen das Gebäude, das die Polizei daraufhin sichert.

5.05.1981, Schimpfeck, Lustnauer Tor
Gegen 23 Uhr besetzt eine Gruppe von 60-80 Personen, die sich „Schymphoniker“ nennt, das 2. und 3. Obergeschoss des sogenannten Schimpfecks am Lustnauer Tor 1. In einer Pressemitteilung schreiben sie: „Der Schimpf wurde von der Stadt aufgekauft, um für eine mörderische Stadtautobahn (Nordtangente) abgerissen zu werden. Nachdem der Abriss durch Bürgerprotest verhindert werden konnte, stand der sofortigen Nutzung des Schimpf als Wohnhaus nichts im Weg. Nichtsdestotrotz steht er [zwei Stockwerke] seit etwa zwei Jahren leer. Ein geplanter Umbau in ein Studentenwohnheim scheiterte aus finanziellen Gründen. Um eine weitere Zweckentfremdung oder ein Leerstehen des Gebäudes zu verhindern, haben wir den Schimpf am 5. Mai 81 besetzt“.
Laut Tagblatt sind eine Stunde später bereits 200-300 Leute im Haus und etwa 400 UnterstützerInnen vor dem Haus und auf der Straße am Lustnauer Tor. In Gesprächen zwischen den BesetzerInnen, der Eigentümerin des nicht besetzten Teils des Hauses, die sich solidarisch mit den BesetzerInnen zeigt, und Vertretern des städtischen Ordnungsamtes wird die umgehende Räumung angekündigt. Oberbürgermeister Eugen Schmid lässt Bereitschaftspolizei aus Biberach, Göppingen und Karlsruhe kommen, die ab 5 Uhr morgens mit 200 Einsatzkräften zuerst die Straße, dann das Haus auch unter Einsatz von körperlicher Gewalt und Knüppeln räumt, obwohl die BesetzerInnen sich nicht wehren. 26 Personen werden zur Personalienfeststellung in Gewahrsam genommen. Am Morgen rollt der Verkehr wieder als sei nichts geschehen übers Lustnauer Tor, aber schon am Nachmittag und Abend ziehen größere und kleiner Demonstrationen durch die Altstadt und halten die Polizei in Atem. Auf dem Holzmarkt findet eine BesetzerInnen-Vollversammlung mit 250 Personen teil. Auch in den folgenden Tagen kommt es zu unangemeldeten Demonstrationen, auch mit Sachbeschädigungen, u.a. werden Fenster an der Stiftskirche eingeworfen. Die Besetzung und Räumung werden zum Politikum, in der Öffentlichkeit wird breit diskutiert. Um der Entscheidung über die zukünftige Nutzung des Schimpf beizuwohnen nehmen 500 Personen am 18.5. an einem „Marsch ins Rathaus“ statt, wobei der Eingang ins Rathaus von der Polizei blockiert wird. Am 21.5. besetzen rund 50 SchülerInnen und Studierende mit Zelten den Alten Botanischen Garten aus Kritik an den Gesprächen im Gemeinderat. Parallel dazu werden zwischen Stadtverwaltung und Studenwerk AdöR Pläne ausgearbeitet, die Wohnungen im Schimpf unter Trägerschaft des StuWe an Studierende zu vermieten. Ein Angebot der Schymphoniker, die nötigen Umbauten mit Eigenleistung zu geringeren Kosten selbst durchzuführen wird ausgeschlagen, schließlich entstehen aus Sicht der BesetzerInnen kleine „Einzelzellen“ zu einem hohen Mietpreis.
Material: AK Schöner Wohnen: „Häuserkampf in Tübingen 79-81. flugblätter und presseberichte zur hausbesetzung von: ludwigstr., thiepval, sigwartstr., d.a.i., schimpfeck“ (1981)

21.5.1981, Alter Botanischer Garten
Rund 50 SchülerInnen und Studierende besetzen mit Zelten den Alten Botanischen Garten, aus Protest gegen den Beschluss des Gemeinderats, das geräumte Schimpf nicht den InstandbesetzerInnen zu überlassen.

11.04.1989, Stiftskirche

19.01.1989, neurologische Klinik Liebermeisterstraße (Javadi-Haus)
„In der Atmosphäre des StudentInnenprotests haben sich am 19. Januar `89 ArbeiterInnen, arbeitslose Menschen, Alleinerziehende und StudentInnen, mit anderen Worten Menschen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlich benachteiligten Gruppen, zusammengefunden und die leerstehende ehemalige neurologische Klinik besetzt. Die Motive zu dieser Besetzung waren für viele nicht nur der Versuch, neuen bedürfnisgerechten Wohnraum zu schaffen. Darüber hinausgehend gab es viele Ideen und Projekte, für deren Verwirklichung wir uns mit dem Javadi-Haus den nötigen Freiraum schaffen wollten. Wir tauften das Haus auf den Namen eines iranischen Asylbewerbers, der 1987 wegen versuchten Ladendiebstahls von einem Angestellten des Lebensmittelmarktes Pfannkuch in Tübingen erwürgt wurde. In diesem Haus sollte auch Platz für politisch Verfolgte aus anderen Ländern sein.“ (aus dem Editorial von „Schneller wohnen `89“)
Nach 16 Tagen vielfältiger Aktivitäten und „gelebter Utopie“ im Javadi-Haus sowie erfolglosen Verhandlungen mit Stadt und Universität rücken am 4.02.1989 zwei Hundertschaften Polizei und ein Sondereinsatzkommando mitsamt Räumpanzer und Wasserwerfer an. Die Besetzer*innen verlassen das Javadi-Haus – wie im Vorfeld der Räumung bereits verabredet – ohne sich auf eine Konfrontation einzulassen.
Material: „Schneller Wohnen `89. Eine Dokumentation zur Besetzung des Javadi-Hauses (ehemalige neurologische Klinik) in Tübingen“ (Broschüre, 1989)

September 1989, Garten hinter der Ludwigstraße 15
Bewohner*innen der Lu15 und solidarische Personen besetzen den Garten hinter dem seit der Besetzung 1979 selbstverwalteten Gebäude und errichten dort ein Hüttendorf mit Veranstaltungszelt und Volxküche sowie einer Barrikade aus verschweißten Schrottautos in der Zufahrt. Vorangegangen waren achtmonatige Verhandlungen über die Zukunft der Selbstverwaltung und die Bebauung der letzten größeren Grünfläche im Viertel. Nach Vorstellungen des Studentenwerk A.d.ö.R. soll die Grünfläche mit drei Häusern bebaut und die Selbstverwaltung der Lu15 nach einer Übergangsphase abgeschafft werden. Am 3.10.1989 wird der Garten von 200 PolizistInnen geräumt. Dabei wir dem Tübinger Einsatzleiter der Polizei das Funkgerät entwendet, was zu einer Umstellung der Lu15 führt mit Androhung, das Haus mit einem Rammbock zu stürmen. Als die Leute die Lu gemeinsam geschlossen verlassen, um der Stürmung zuvor zu kommen, kommt es zu einem heftigen Polizeieinsatz mit Prügelszenen, Kesseln und Festnahmen. Grafitti- und Aufkleberparolen wie „Wer beklaut hier wen?“ und „Was ist schon ein Funkgerät gegen einen Garten?“ begleiten die folgende Kriminalisierungswelle. Der Garten wird bebaut, das gemischte Wohnen und die Selbstverwaltung der Lu15 bleiben jedoch erhalten.
Materialien: „In der Südstadt tut sich was. Zur Geschichte und zur Umstrukturierung in der Tübinger Südstadt.“ (Broschüre, 1991)

Sommer 1989, Schlossbergstraße 10
„als der kurze Versuch gewagt wurde, ein leerstehendes Haus in Beschlag zu nehmen“ (Tagblatt 21.4.1992)

23.10.1989, Alter Botanischer Garten
Etwa 400 Wohnungssuchende schlagen im Alten Botanischen Garten eine Zeltstadt mit einem großen Festzelt und kleinen Zelten auf, richten eine Zimmervermittlungsbörse ein und informieren über selbstverwaltetes Wohnen. Die Besetzung geht auf eine Initiative der Fachschaftsräte-Vollversammlung zurück. Gefordert wird, dass Universität und Stadt den von ihnen belegten Wohnraum freigeben und leerstehender Wohnraum (z.B. Reserve-Lazarett auf dem Sand) Wohnungssuchenden zur Verfügung gestellt wird.
Quellen und Materialien: Tagblatt

August 1990, Fürststraße
Nachdem Nachbar*innen wegen Lärm die Polizei rufen, wird die Besetzung eines Hauses in der Fürststraße abgebrochen. In der Lu15 werden daraufhin Frauen von der Polizei zu einer Gegenüberstellung mitgenommen, die aber negativ bleibt. Forderung und Ziel der Besetzerinnen wäre „Wohnraum für Frauen, Mietverträge für die Besetzerinnen“ gewesen.

Sommer 1990, Nauklerstraße
„Hausbefestung“
Quelle: Tagblatt 21.4.92

Weihnachten 1990, Stiftskirche
150 Roma aus ganz Baden-Württemberg suchen an Heilig Abend Schutz vor akuter Abschiebung in der Stiftskirche. Nach zermürbenden Verhandlungen, einer Bombendrohung, Polizeikontrollen und der Androhung einer Räumung verlassen sie die Kirche am 17.1.1991, um sich einer erneuten Einzelfallprüfung auf Duldung zu unterziehen.
Quellen: Die Zeit, http://www.zeit.de/1991/04/kein-kartenspiel-vor-dem-altar

April 1991, Wagenburg Kuntabunt
Im April 1991 gründen drei Personen im Aischbach die erste Tübinger Wagenburg. Ihre Motive sind „Dorf- und Lebensgemeinschaft mit anderen, Naturnähe, zu hohe Wohnungsmieten, Tierhaltung, Obdachlosigkeit, Kinderfreundlichkeit, umweltverträglicheres Leben, Mobilität, einfacheres Leben,…“. Auch in anderen Städten entstehen in der Zeit Wagenburgen bzw. Gruppen, die diese alternative Lebensform auch gegen  Widerstände der Behörden durchsetzen wollen. Nachdem die Tübinger Wagenbürger*innen von der Stadt eine Räumungsaufforderung bekommen, ziehen sie weiter zum Festplatz und schließlich auf den Hubschrauberlandeplatz oberhalb der Hindenburgkaserne (heutiges Französisches Viertel), den noch die gerade abziehende französische Armee verwaltet, bis auch dort Anfang August eine Räumungsaufforderung des inzwischen zuständigen staatlichen Liegenschaftsamtes erfolgt. Unter Begleitung eines massiven Polizeiaufgebots verlassen sie den Platz und bekommen mit inzwischen 14 Wagen (unter anderem sind aus Stuttgart vertriebene Wagenbewohner*innen dazugekommen) Unterschlupf auf dem Gelände des Sommerferiengeländes „Spatzennest“ der evangelischen Kirche in Pfrondorf. Aber auch dort läßt die Stadt sie nur drei Tage stehen. Da sie das Tübinger Stadtgebiet verlassen sollen, wenden sie sich nach Kusterdingen, wo sie ebenfalls vertrieben und schließlich in der Nähe des Tübinger Tierheims stehen bleiben. Dort duldet die Stadtverwaltung sie schließlich und Anfang November beschließt der Gemeinderat, der Wagenburg einen Platz auf dem Gebiet der sich auflösenden französischen Garnison zur Verfügung zu stellen. Am 10.03.1992 bekommt die erste Tübinger Wagenburg dann eine Genehmigung für den ehemaligen Panzerschießstand am Hindenburgareal (heutiges Französisches Viertel) und im Frühjahr 1995 einen Pachtvertrag, der seitdem alle fünf Jahre verlängert werden muss.
Material: „Die Tübinger Wagendörfer Kuntabunt e.V. und Bambule e.V.“ (Broschüre, 1997)

Februar 1992, Kasino
„Roma-Unterstützung im tagweis besetzten Kasino“
Quelle: Tagblatt 21.4.1992

20.04.1992, Villa Metz, Hechinger Straße 13
Um Wohnraum für unterschiedlichste Wohnbedürfnisse – v.a. auch größere Gruppen – zu schaffen, besetzen etwa 15 Personen das ehemalige Gebäude der Druckerei Metz, das nach deren Konkurs 1990 von der evangelischen Kirche gekauft wurde und bisher nur zum Teil genutzt wird. Den Planungen der Kirche, dort Verwaltungseinrichtungen unterzubringen setzen die Besetzer*innen den fehlenden Wohnraum in der Stadt entgegen. Am 5.05.1992 kommen 300 Polizist*innen zur Räumung. Die 100 Besetzer*innen verlassen das Haus nachdem einige Personen von der Polizei gewaltsam rausgetragen wurden und die Kirche die Zusage gibt, die Anzeigen zurückziehen.
Material: „Wenn Wohnraum zur Ware wird, wird Besetzung zur Pflicht. Dokumentation zu den Hausbesetzungen April/Mai 1992 in Tübingen“ (Broschüre, 1992)

2.05.1992, ehemalige Motorsportschule der französischen Garnison, Alexanderstraße 48
Das seit November 1991 leerstehende Gebäude, aus dem Besitz des Bundes ans Land übergegangen, wird von etwa dreißig Personen besetzt. Als am Nachmittag 150 PolizistInnen vor dem Gebäude aufziehen, um es zu räumen, verlassen die Besetzer*innen es nach der ersten Aufforderung.
Material: „Wenn Wohnraum zur Ware wird, wird Besetzung zur Pflicht. Dokumentation zu den Hausbesetzungen April/Mai 1992 in Tübingen“ (Broschüre, 1992)

11.05.1992, ehemaliges Unteroffiziers-Casino in der Hindenburgkaserne
wird Nachts wieder verlassen
Material: „Wenn Wohnraum zur Ware wird, wird Besetzung zur Pflicht. Dokumentation zu den Hausbesetzungen April/Mai 1992 in Tübingen“ (Broschüre, 1992)

11.05./12.05.1992, ehemalige Motorsportschule, Alexanderstrasse 48 (Wiederbesetzung)
Die ehemalige Motorsportschule in der Alexanderstraße 48 wird zum zweiten Mal besetzt und am 14.05. geräumt, wobei 39 Personen eingekesselt und Personalien aufgenommen werden, sowie Kriminalisierung begonnen.
Material: „Wenn Wohnraum zur Ware wird, wird Besetzung zur Pflicht. Dokumentation zu den Hausbesetzungen April/Mai 1992 in Tübingen“ (Broschüre, 1992)

25.05.1992, Bundeswehr-Kriegsnotfall-Lazarett auf dem Sand
Aus „übergeordneten militärischen Gründen“, um die Verletzten des nächsten Krieges zu versorgen, hält die Bundeswehr das Gebäude auf dem Sand ungenutzt leer. Geräumt durch Polizei und Feldjäger am 26.05.1992

25.06.1992, Wagenburg Bambule
Im Sommer 1992 gründen 15 Personen eine zweite Tübinger Wagenburg. Mit Wägen, die noch kaum zum Wohnen ausgebaut sind, ziehen sie acht Monate auf der Suche nach einem Platz durch Tübingen und werden von einem zum nächsten Platz vertrieben: elf Tage in der Hindenburgkaserne, neun Tage in Kusterdingen, drei Tage am Sudhaus, 42 Tage in Mähringen, 24 Tage in Gomaringen, zehn  Tage auf dem Tübinger Festplatz, drei Tage in Wurmlingen, einen Tag in Bebenhausen, 14 Tage in Dettenhausen, nochmal eine Woche in Bebenhausen. Ende Oktober 1992 erhalten sie eine Duldung der Wagen in einer Halle der Hindenburgkaserne – ohne Wohnberechtigung. Weil sie trotzdem in ihren Wagen wohnen, folgt die Räumung und ein Fluchtversuch Richtung Spatzennest mit anschließender Beschlagnahme der bewohnbaren Wagen. Im Februar 1993 sind damit 19 Menschen obdachlos. Mit Schlafsäcken und Feuertonne ziehen sie für 12 Tage unter die Arkaden des Tübinger Rathauses. Schließlich bekommen sie ihre Wagen zurück und sollen sich der Wagenburg Kuntabunt anschließen, die jedoch selbst schon überfüllt ist. Direkt neben Kuntabunt erhalten sie dann eine Duldung und im Frühjahr 1995 einen eigenen Pachtvertrag, der alle fünf Jahre verlängert werden muss.
Material: „Die Tübinger Wagendörfer Kuntabunt e.V. und Bambule e.V.“ (Broschüre, 1997), „Wenn Wohnraum zur Ware wird, wird Besetzung zur Pflicht. Dokumentation zu den Hausbesetzungen April/Mai 1992 in Tübingen“ (Broschüre, 1992)

1995, Depot-Gelände
Nach Abzug der französischen Garnison 1991 stehen auf dem Gelände zwischen Güterbahnhof und Reutlinger Straße mehrere Lagerhallen leer. Neben offiziellen Zwischennutzungen wie dem Club „Depot“ wird das Gelände auch zur Grafitti-Hochburg und ab spätestens 1995 ziehen Straßenpunks in eine der kleineren Lagerhallen. Das besetzte Punker-Depot wird deutschlandweit in der Szene bekannt und zu einem Anlaufpunkt von Punks und Obdachlosen. Von der Stadt wird ein Streetwork-Projekt eingerichtet und für die medizinische Betreuung ein Bauwagen auf das Gelände gestellt.
2000 wird das Gebäude abgerissen, nachdem laut öffentlicher Debatte die Zustände im Punkerhaus nicht mehr tragbar sind. Das gesamte Depot-Areal wird 2006 an einen Großinvestor verkauft und umgebaut.

Sommer 1998, Hügel zwischen B27 und B28
Mit ihren vier Bauwägen beziehen vier Personen – zunächst unbemerkt – den verwilderten Hügel am Ortsausgang Richtung Reutlingen bzw. Stuttgart. Als sie im Winter eine erste Aufforderung erhalten, den Hügel zu räumen, gehen sie an die Öffentlichkeit und fordern von der Stadt weitere genehmigte Flächen für Wagenbewohner*innen außerhalb der bereits überfüllten zwei Wagenburgen. Am 27.7.1999 lässt die Stadt den Hügel räumen und beschlagnahmt die drei dort noch befindlichen Wägen, den Bewohner*innen werden stattdessen städtische „Notunterkünfte“ angeboten.

19.05.2000, Schleifmühleweg 34
Party-Besetzung eines leerstehenden Lagergebäudes durch etwa 70 Personen, „gegen Spekulation, Mietwucher & unnötigen Leerstand“. Nach zwei Stunden wird das Gebäude gemeinsam verlassen, weil sich Polizei rund um das Gelände sammelt. Auf dem Weg ins Wohnprojekt Schellingstraße hält die Polizei 20 Personen unter Einsatz von Pfefferspray auf, um Personalien zu kontrollieren.
Material: „Nachbereitung der Aktion am 19.5.2000 in Tübingen“ (Flugblatt), „Ausprobieren, was geht“ (Tagblatt 22.05.2000)

6.07.2006, Schloss Hohentübingen
Im Anschluss an eine studentische Protest–Vollversammlung gegen Studiengebühren wird am 6.7. 2006 das Schloss Hohentübingen von ca. 300 Studierenden, Schüler*innen und Aktivist*innen besetzt. Sie protestieren damit gegen die Ökonomisierung der Bildung und zeigen ihre Solidarität mit anderen Protestaktionen gegen Sozial- und Bildungsabbau. Nach acht Tagen wird die Besetzung am 14.07.2006 mit einem Demonstrationszug beendet.
Materialsammlung der Besetzer*innen: http://besetzung.blogsport.de/

1.05.2007, Konzerthaus-Ruine an der Blauen Brücke
Nach der 1. Tübinger Mayday-Parade und der anschließenden erfolgreichen Blockade des Maisingens der Tübinger Burschenschaften am Lustnauer Tor feiern mehrere Hundert Leute im Untergeschoß der Konzerthaus-Ruine an der Blauen Brücke mit Soundsystem und DJs bis in den frühen Morgen.
Bis zum Abriss 2013 dient Tübingens schönste urbane Ruine auch Obdachlosen und Drogenuser*innen als Unterschlupf, Street-Art-Künstler*innen als Ausstellungsraum, Skater*innen als Skatepark… und noch vielen anderen zu unterschiedlichsten, ungenehmigten Zwecken.

1.05.2008, Kreisjugendamt in der Doblerstraße
„Später in der Nacht [nach den Protesten gegen das Maisingen der Tübinger Burschenschaften] räumte die Polizei noch eine Party mit über 100 Leuten im Ex-Kreisjugendamt in der Doblerstraße.“
Quelle: Schwäbisches Tagblatt vom 02.05.2008

6.11.2009, Hörsaal 25, Kupferbau, Universität Tübingen
Nach einer studentischen Vollversammlung wird der größte Hörsaal der Uni Tübingen besetzt. Die Besetzter*innen protestieren damit gegen die „völlige Überlastung der Studiengänge, soziale Ungleichheit im Bildungssystem, chronische Unterfinanzierung der Universitäten und die durch die Umstellung auf Bachelor und Master entstandenen Probleme“ und erklären sich solidarisch mit den Protesten und Besetzungen in vielen deutschen und österreichischen Universitäten, wo unter dem Twitter-Hashtag #unibrennt die Bewegung in Wien ihren Ausgangspunkt genommen hatte. Am 13.11. verlassen 200 Besetzer*innen nach Aufforderung und unter Anwesenheit eines größeren Polizeiaufgebots den Kupferbau zunächst, um am 16.11. den Hörsaal 25 erneut zu besetzen. Nach Absprachen mit der Unileitung können regelmäßig Plena, Arbeitsgruppentreffen, Essen und Veranstaltungen stattfinden, unter anderem auch eine 72-Stunden-Vorlesung. Mit den Weihnachtsferien endet die Besetzung, im neuen Jahr organisieren sich die Besetzer*innen mit Tübinger Schüler*innen im Rahmen der bundesweiten Bildungsstreik-Initiativen weiter.
Materialsammlung: http://kupferbau.ernst-bloch-uni.de/

Frühjahr 2010, Autenriethstraße 15, Hechingerstraße 23, 40, 46
Wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung stellt das Universitätsklinikum Tübingen (UKT) eine Anzeige gegen Unbekannt, da eine leerstehende Wohnung in der Autenriethstraße 15 wiederholt unerlaubt geöffnet und betreten wurde. Die Polizei ermittelt und beschlagnahmt Schlafsäcke und Plakate aus der Wohnung. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) wird vom Pächter UKT über den Vorfall informiert. Kurze Zeit später hängen drei große Transparente mit der Aufschrift „www.vier-haeuser-projekt.wordpress.com“ an den ebenfalls durch das UKT von der LBBW gepachteten, größtenteils leerstehenden Häusern in der Hechingerstraße 23, 40 und 46. Mit den Plakaten bekundet die Initiative „4-Häuser-Projekt“ ihre Absicht, die Häuser nach dem Modell des Mietshäuser Syndikats zu kaufen. Nach längeren Verhandlungen willigt die LBBW, die zu der Zeit dabei ist, ihren landesweiten Wohnungsbestand von 21.500 Wohnungen an einen Finanzinvestor zu verkaufen, schließlich in den Verkauf an die Projektinitiative ein. Bei der Unterzeichnung des Kaufvertrags im Januar 2011 ist informell zu hören, dass die „Besetzung“ bei der LBBW zu Besorgnis geführt und sich durchaus positiv auf den Verhandlungsprozess ausgewirkt habe. Nach Sanierung ziehen ab Juni 2011 die neuen (und auch ein paar der bisherigen Bewohner*innen wieder) ein.
http://4haeuserprojekt.wordpress.com/

2.08. bis 5.08.2013 Gleis am Güterbahnhof, Eisenbahnstraße
Weil „die Deutsche Bahn ehemals öffentliches Eigentum über die Aurelis Real Estate leerstehen und verkommen lässt, um es anschließend nach reinen Verwertungsinteressen zu verhökern“ wird von einer Handvoll Leuten der öffentlich zugängliche Teil der Gleise hinter dem alten Güterbahnhofsgebäude besetzt. Eine VoKü/Cafe wird aufgebaut, es gibt Informationen über den geplanten neuen Stadtteil am Güterbahnhof und ein kleines Kulturprogramm. Gefordert werden eine unkommerzielle Zwischennutzung des Gebäudes als Cafe und „eine öffentliche Diskussion was auf dem Gelände vom wem und für wen gebaut wird“. Unterstützt wird die Initiative, eine Gedenkstätte an die im Nationalsozialismus am Güterbahnhof eingesetzten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter einzurichten.
Quellen: https://zukuenftige-nachbarschaft-gueterbahnhof.mtmedia.org/veroeffentlichungen/

29.11.2014 bis 16.03.2015 Eisenbahnstr. 41
Mit einer Party am 29.11.2014 wird das seit einiger Zeit leerstehende Gebäude auf dem Areal des Güterbahnhofs besetzt (Artikel auf tueinfo, linksunten.indymedia, im Schwäbischen Tagblatt). Nach Verhandlungen mit Stadtverwaltung und der Eigentümerin Aurelis GmbH konnte die Besetzung als Zwischennutzung bestehen bleiben, bis für die Neugestaltung des gesamten Areals als neues Wohngebiet das Gebäude am 17.03.2015 abgerissen wurde.

Oktober/November 2015 Schwabstraße 7
Das seit längerem leerstehende Haus wird „still besetzt“ und einige Wochen bewohnt, bis NachbarInnen den Eigentümer und dieser das Ordnungsamt informiert. Das Tagblatt berichtet, dass fünf von sieben BesetzerInnen obdachlos seien und von der Stadtverwaltung Unterkunft in einem Hotel vermittelt bekommen. Von einer „Vertreibung“ wie es in einer Mail, die in der Szene kursiert, stehe, könne nicht die Rede sein…

23.10.2015 Wohn-Out auf Neckarinsel und Besetzung Gartenstraße 7
Nach einem Protestspaziergang mit 200 Personen, den das Bündnis gegen Wohnungsnot veranstaltet, findet auf der Neckarinsel ein unangemeldetes Wohn-Out mit Möbeln und Zelten statt.
Parallel wird das seit Jahren leerstehende Haus in der Gartenstraße 7 über Nacht besetzt. Das Haus war spätestens nach dem Leserbrief eines Nachbarn, in dem er 2012 angesichts des Leerstandes und Verfall des Hauses fragte, wo denn heutzutage die Hausbesetzer seien, in der öffentlichen Debatte.

27.10.2016 bis 30.10.2016 Wielandshöhe, Stauffenbergstraße 10
http://freelandshoehe.tumblr.com/

29.11. bis 22.12.2018 Hörsaal 21, Kupferbau
https://www.blochuni.org/Kupferbau/

07.12.2018, Ob dem Viehweidle 21
Während eines Konzerts der Gruppe „Ton Steine Scherben + Gymmick“ wird das seit mehreren Jahren vollständig leerstehende Haus besetzt. Teile der Band folgen und spielen für über 50 Personen im Wohnzimmer einer der vier leeren Wohnungen. Die Besetzung kritisiert den Widerspruch zwischen dauerhaftem Leerstand und einem immer angespannteren Mietmarkt und möchte als #positivbesetzt zur bestehenden öffentlichen Debatte beitragen. Die Besetzer*innen fordern die konsequente Anwendung der Zweckentfremdungssatzung, Enteignungen und Nutzung leerstehender Häuser, Enteignung und Kommunalisierung großer Immobilienunternehmen, bezahlbaren Wohnraum, neue Konzepte in der Stadtentwicklung und eine Diskussion über das Zusammenleben in der Stadt und bestehende Eigentumsverhältnisse. Der Auftritt von „Ton Steine Scherben“ bietet insofern einen Anknüpfungspunkt, als auch das Epplehaus 1972 nach einem Konzert der Gruppe besetzt wurde. Am nächsten Tag verlassen die Besetzer*innen das Haus nach Gesprächen mit den BesitzerInnen und Polizei und der Zusage einer schnellen Renovierung und bezahlbaren Vermietung. http://www.tueinfo.org/cms/node/24948,  http://www.tueinfo.org/cms/node/24951, https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Nach-dem-Ton-Steine-Scherben-Konzert-haben-Leute-in-Tuebingen-ein-Haus-besetzt-397023.html, https://twitter.com/PositivBesetzt

 

Noch undatiert:
Eugenstraße ???? (1981?)

Tagblatt vom 22.4.1992 (Besetzungsdoku 1992, S. 13): „Kirchenführung sauer: Schon die die fünfte Besetzungsaktion [durch die die evangelische Kirche betroffen ist in den vergangenen Jahren] Stets war der Abzug der Besetzer erreicht worden“… welche waren das???

Ende 1980er/Anfang 1990er, Gemeindehaus Lamm
Besetzt von Flüchtlingen, um gegen Abschiebung zu protestieren. (Übrigens „Traum von einer Sache“, 22.4.1992)

Partybesetzungen, z.B. Fußgängertunnel am Güterbahnhof, Goa-Partys,…

Mißglückte Besetzung von Gesundheitsamt am Anlagensee